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20.02.2019

Süßer Zauber im ehemaligen Solarium

Mit ihren individuellen Motivtorten hat sich Annett Girrleit einen Namen gemacht. Nun zieht sie aus einer Penzliner Nebenstraße in Toplage. Der Weg zur erfolgreichen Selbständigkeit war aber kein Zuckerschlecken.

Penzlin. Vor vielen Jahren wurde hier Fleisch gehackt, dann Fleisch gebräunt, jetzt soll es „tortig“ zugehen. Annett Girrleit schaut zufrieden durch den hellen Geschäftsraum in der Penzliner Innenstadt und taucht die Malerrolle in den Farbeimer. In wenigen Tagen will sie hier zuckersüße Träume für ihre Kunden bauen – und damit auch weiter an ihrem eigenen Traum.
Bis zur Eröffnung am 1. März hat die junge Unternehmerin noch viel vor sich. Unterstützung bekommt sie nicht nur von der Familie. Auch ihre Freundin Barbara packt mit an und hat gerade einen alten Tisch neu lackiert. „Ohne Freunde funktioniert es nicht“, sagt Annett Girrleit und zupft die rosa Handschuhe zurecht. Bei einem Schluck Kaffee aus dem Thermobecher bespricht sie mit Barbara, welche Farbe die Wand im Eingangsbereich bekommen soll für den „tortigen Look“. Ein Café soll „Annett‘s Tortenzauber“ nicht werden, sondern eine Tortenmanufaktur bleiben.
Nicht nur für die Bäckerin ist der Umzug aus der Nebenstraße eine große Chance. Auch für das Erscheinungsbild der Penzliner Innenstadt ist es sicherlich ein Glücksfall. Das Geschäft liegt dicht an der Burg und in der Nähe des Alten Marktes, wo bald das Voß-Haus eröffnet wird. Lange blickte man durch die großen Schaufenster in die traurige Leere. Jetzt ziehen bald Torten die Blicke auf sich.
Die Kabinen, in denen sich die Penzliner einst auf die Sonnenbank legten, bekommen nun eine neue Funktion. Eine Kabine dient als Lagerraum und Büro. In die andere kommt die Küche, wo das kreative Herz schlägt. Hier will Annett Girrleit mit ihren Werkzeugen hantieren: Pinselchen, Messer, Scheren und lauter spitzes Zeug.
Noch hat die Cakedesignerin etwas Luft, um die neuen Räume zu gestalten. Doch sobald die Hochzeitssaison startet, bleibt wenig Zeit. Im vergangenen Jahr musste Annett Girrleit schweren Herzens einige Anfragen ablehnen, denn mehr als sieben Torten pro Tag sind auch an besonderen Daten wie dem Einschulungstag nicht machbar. Individualität ist das Erfolgsrezept der Unternehmerin und die erfordert Zeit. Jede Torte ist einzigartig. Hinter jeder steckt eine Geschichte.
Die Geschichte von „Annett‘s Tortenzauber“ begann vor sechs Jahren mit einem Motivkuchen für die Einschulungsfeier des Kindes einer Freundin. Das Erstlingswerk war ein rotes Auto wie in dem Animationsfilm „Cars“. Angetrieben von dem Spaß, Torten zu zaubern und Menschen damit glücklich zu machen, hat sie sich nach und nach durch Youtube-Videos und Blogs viel Wissen angeeignet und Torten für Freunde gemacht. Das sprach sich schnell herum und die Fotogalerie auf ihrer Facebook-Seite wuchs rapide. „In der Gestaltung gibt es kaum Grenzen. Das ist das, was mich so fasziniert“, sagt Annett Girrleit. Mittlerweile präsentiert sie ihr Geschick auf Hochzeitsmessen oder auch auf der Gourmetveranstaltung BURMÉ.
Der Weg zum eigenen Geschäft war aber kein Zuckerschlecken für Annett Girrleit. Denn Talent und Fleiß allein reichen im durchregulierten Deutschland nicht aus. Beinahe hätte die Handwerkskammer die Erfolgsgeschichte abgewürgt und der Tortenzauber wäre verflogen. Annett Girrleit ist nämlich gelernte Verkäuferin, keine gelernte Bäckerin.
Streng genommen backt sie ja auch nicht, sondern verziert fertige Tortenrohlinge einer Neubrandenburger Bäckerei zu individuellen Kunstwerken. Dieses moderne Handwerk nennt sich Cakedesign und passt so recht in keine fertige Schublade rein. Also musste Annett Girrleit eine Ausnahmebewilligung beantragen und so lange kämpfen, bis sie in Rostock bei einer Prüfung zeigen durfte, dass sie das Handwerk beherrscht und auch über theoretisches Wissen verfügt. Wie immer hat sie sich durchgebissen und den Prüfern bewiesen, was ihre Kunden längst wussten. „Es gab noch keinen Tag, an dem ich mit schlechter Laune zur Arbeit gekommen bin“, sagt Annett Girrleit.
Noch hängt kein süßlicher Duft in den Räumen. Es riecht nach Farbe, nach Arbeit. Schaut man aber in das fröhliche Gesicht der Unternehmerin, kann man den Zauber schon spüren.

20.02.2019 
Quelle: Nordkurier 

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