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11.06.2019

Wie die Bürger von Alt Rehse um ihren alten Speicher kämpfen

Das mehr als 100 Jahre alte Gebäude in dem geschichtsträchtigen Dorf am Tollensesee steht unter Denkmalschutz. Das scheint den Eigentümer allerdings nicht zu scheren. Er „verziert“ das Denkmal mit seltsamen Botschaften. Kann den Mann wirklich niemand stoppen?

Alt Rehse. Wolfgang Köpp ist eigentlich ein ruhiger Mann. Immerhin hat der Ex-Bürgermeister von Alt Rehse, dem berühmten Dorf am Tollensesee, am 30. Mai seinen 85. Geburtstag gefeiert. In dem Alter wird der Mensch gelassener. Wenn es aber um den alten Backsteinspeicher von Alt Rehse geht, platzt Köpp die Hutschnur.
Seit Jahren ist das Gebäude verunziert mit zahlreichen, riesigen Plakaten. Bernd Cosmo Haldenwang (71), so der Name des Besitzers des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes, ist dafür verantwortlich. Dank ihm hat der Speicher über Alt Rehse hinaus traurige Berühmtheit erlangt, insbesondere, weil das fast 100 Meter lange Gebäude am Radwanderweg rund um den Tollensesee liegt.
Innenminister Lorenz Caffier (CDU), mehrere Bundestagsabgeordnete und natürlich auch der Bürgermeister von Penzlin – Alt Rehse gehört zu der Kleinstadt – kennen das unselige Thema. Aber es scheint sich nichts zu tun. In seiner Not hatte Köpp 2018 sogar Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) mit zwei Briefen auf das Dilemma aufmerksam gemacht. Es gab noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung, beklagt Köpp. Und das, obwohl Haldenwang auf übelste Weise gegen „Personen, Einrichtungen, Gesellschaft, Justiz und Kirche“ hetze.
Gerne führt Köpp, der zwei Bücher über Alt Rehse geschrieben hat, Interessierte durch den Ort. Bei einem seiner Gänge laufen ihm Monika und Marlies über den Weg. Die Schwestern aus Bad Muskau wandern den Pilgerweg am Tollensesee entlang und stehen kopfschüttelnd vor dem plakatierten Speicher. Wie könne so etwas zugelassen werden, fragen sich die beiden Frauen. Das kann auch Köpp nicht beantworten. Nicht nachvollziehbar sei, dass jeder andere Eigentümer eines denkmalgeschützten Gebäudes strenge Auflagen hinnehmen muss, während der Besitzer des Speichers offensichtlich Narrenfreiheit genieße.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Ursprungsbau als Flachspeicher errichtet. 1936/37 ist der Bau zum Hochspeicher aufgestockt worden, sagt Köpp. Damit sei ein für die damalige Landwirtschaft vorbildlicher Bau errichtet worden, der als Speicher, Mühle und Molkerei fungierte. Das Landratsamt als untere Denkmalschutzbehörde erklärt, dass das Speichergebäude „ortsbildprägend“ sei und „zugleich an die ehemalige Gutswirtschaft“ erinnere. „Der Bautyp ist selten, und die Altbausubstanz ist vollständig erhalten“, erklärte die Sprecherin des Landratsamtes, Haidrun Pergande.
Das Erscheinungsbild des Denkmals werde aus Sicht der Denkmalschützer durch die Plakate und Gegenstände beeinträchtigt. „Deshalb hat der Landkreis im vergangenen Monat gegen den Eigentümer ein ordnungsrechtliches Verfahren eingeleitet“, erklärte Haidrun Pergande. Der Inhaber habe die Möglichkeit, sich zu äußern beziehungsweise die am Speicher angebrachten Plakate und Gegenstände zu beseitigen. Köpp begrüßt es, dass das Landratsamt handelt. „Ich frage mich allerdings, warum erst jetzt?“

Der Yoga-König hält nichts vom deutschen Staat
Zu erwarten ist, dass Haldenwang das Schreiben aus dem Landratsamt entsorgt hat – so, wie er es mit vielen anderen Briefen von Anwälten und Ämtern getan hat. „Der Staat der BRD existiert nicht. Die Verfassung der DDR ist weiter gültig“, erklärt er seine Rechtsauffassung gegenüber dem Nordkurier. Daher schmeiße er alle behördlichen Schreiben in den Papierkorb. Ohnehin kommuniziere er nicht auf der Ebene der „Normalmenschen“, sondern auf der von Buddha. Auf seiner Facebook-Seite bezeichnet er sich als „erster König & Präsident der Europäischen Demokratischen YOGA Republik (EDYR)“.
Ungemach droht dem Yoga-König, der den Speicher 2005 nach eigenen Angaben für einen Euro von der Kassenärztlichen Vereinigung erworben hat, nicht nur durch das vom Landkreis angestrengte Verfahren. Es gibt nach Nordkurier-Informationen auch mehrere offene finanzielle Forderungen gegenüber Haldenwang. So soll die Stadt Penzlin einen vollstreckbaren Titel besitzen, der aus offenen Grundsteuer-Forderungen resultiert. Der selbst ernannte Buddhist bestätigt, dass er keine Grundsteuer bezahlt, weil der Staat, der sie einfordert, nicht existiere. Ein Reichsbürger sei er deshalb aber noch lange nicht, behauptet er.
Wie kann es sein, dass ein Mann ein ganzes Dorf gegen sich aufbringt, ohne dass ihm die Behörden etwas anhaben können? Das fragt sich auch Horst Förster. Der 77-Jährige wohnt in Alt Rehse und kennt sich als Ex-Amtsgerichtsdirektor, Anwalt und Landtagsabgeordneter für die AfD mit Recht und Gesetz aus. Er sei selbst schon von Haldenwang angegangen worden. „Ich halte ihn für gefährlich“, sagt Förster. Der einzige Straftatbestand, mit dem man ihm bekommen könnte, wäre vielleicht der der „Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“. Oder aber, dass tatsächlich einer der Gläubiger die Zwangsvollstreckung einleite. Dann wäre es aber hilfreich, wenn es einen potenziellen Käufer gebe, so Förster.
Penzlins Bürgermeister Sven Flechner kann nicht nachvollziehen, dass das Landratsamt so lange gezögert hat, ehe es gegen Haldenwang vorging. Die Stadt als Eigentümerin von Baudenkmalen „hat mehrfach erfahren, wie weit die Forderungen der Denkmalpflege bei Farbauswahlen, Türklinken und anderen Details gehen“. Demgegenüber werde in Alt Rehse ein Gebäude verunstaltet und mit Plakaten öffentliches Ärgernis erregt. Zudem dürften einige Tafeln nach der Landesbauordnung nicht mehr als genehmigungsfrei gelten, sodass auch die untere Bauaufsicht gefragt sein dürfte, sagt Flechner. Und was tut die Ministerpräsidentin? Ihr Sprecher Andreas Timm verweist darauf, dass das Bürgerreferat der Staatskanzlei mehrfach mit Wolfgang Köpp telefoniert habe. Sein Schreiben sei an das Innenministerium weitergeleitet worden.

11.06.2019 
Quelle: Nordkurier 

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